Rudolf Dreikurs Institut
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Memorandum vom Kind an die Eltern

Individualpsychologische Erziehung aus der Sicht der Kinder erklärt
                                                  von Vicky Soltz

 

1.Verwöhn mich nicht. Ich weiß ganz gut, dass ich nicht alles, was ich verlange, haben muss.
2.Hab keine Angst, mit mir bestimmt umzugehen. Ich ziehe es vor. Dann weiß ich, woran ich bin.
3.Zwing mich nicht. Das lehrt mich, dass nur Macht zählt. Ich reagiere besser auf Anleitung.
4.Sei nicht wechselhaft. Das verwirrt mich, und ich versuche desto mehr, alles zu erreichen, was ich will.
5.Mach keine Versprechungen, es könnte sein, dass du sie nicht einhalten kannst. Das erschüttert mein Vertrauen zu dir.
6.Falle nicht auf meine Herausforderungen herein, wenn ich etwas sage oder tue, nur um dich aus der Fassung zu bringen.Dann werde ich
nämlich versuchen, noch mehr solche "Siege" zu erringen.
7.Sorge dich nicht zu sehr, wenn ich sage: "Ich hasse dich!", Ich meine es ja nicht so, ich möchte nur, dass es dir leid tut, wenn du mir etwas angetan hast.
8.Mach nicht, dass ich mich kleiner fühle als ich bin. Dann werde ich mich nämlich wie ein toller Kerl benehmen
9.Tu nichts für mich, was ich selbst tun kann. Dann fühle ich mich wie ein Baby und stelle dich in meinen Dienst.
10.Befasse dich nicht zu sehr mit meinen schlechten Gewohnheiten. Das veranlasst mich nämlich, sie zu behalten.
11.Korrigiere mich nicht vor anderen Leuten. Es beeindruckt mich viel mehr, wenn du ruhig und allein mit mir sprichst.
12.Versuch nicht, mein Benehmen während eines Streites zu besprechen. Aus bestimmten Gründen kann ich zu dieser Zeit nicht so gut zuhören, und meine Mitarbeit ist noch schlechter. Du kannst ja handeln, aber besprechen sollten wir es später.
13.Versuche, nicht zu predigen. Du wirst dich wundem, wie gut ich weiß, was richtig oder falsch ist.
14.Sag mir nicht, dass meine Fehler Sünden sind. Ich muss lernen, Fehler zu machen, ohne zu glauben, dass ich deswegen schlecht bin.
15.Nörgle nicht. Um mich zu schützen, muss ich so tun als ob ich taub wäre.
16.Verlange keine Erklärungen für mein falsches Benehmen. Ich weißwirklich nicht, warum ich es getan habe.
17.Stelle meine Ehrlichkeit nicht in Frage. Ich bekomme leicht Angst und erzähle Lügen.
18.Vergiss nicht, dass ich gern Experimente mache. Ich lerne davon, darum lass mich doch.
19.Schütze mich nicht vor Folgen. Ich muss aus Erfahrungen lernen.
20.Schenke meinen kleinen Leiden nicht zu viel Aufmerksamkeit. Es könnte sein, dass ich sonst eine schwache Gesundheit zu schätzen lerne, wenn sie nur so viel Aufmerksamkeit einbringt.
21.Entzieh dich nicht, wenn ich wirklich etwas wissen will. Sonst wirst du merken, dass ich aufhöre zu fragen und mir meine Antworten woanders suche.
22.Beantworte dumme oder bedeutungslose Fragen nicht. Ich möchte dich nur mit mir beschäftigen.
23.Denk nicht, es sei unter deiner Würde, dich bei mir zu entschuldigen. Eine ehrliche Entschuldigung  erzeugt in mir warme Gefühle dir gegenüber.
24.Deute nie an, dass du perfekt oder unfehlbar bist. Du wärst ein zu großartiges Vorbild für mich.
25.Werde nicht ängstlich, wenn ich mich fürchte. Dann werde ich noch furchtsamer. Zeig mir lieber Mut.
26.Sorg dich nicht, dass du wenig Zeit für mich hast. Was zählt ist, WIE wir diese Zeit verbringen.
27.Vergiss nicht, dass ich ohne sehr viel Verständnis und Ermutigung nicht gedeihen kann. Aber das brauche ich dir doch nicht zu sagen, oder?
28.Behandle mich, wie du deine Freunde behandelst, dann werde ich auch dein Freund sein!
29.Denk daran, dass ich mehr von einem Vorbild als von einem Kritiker lerne!

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